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[quote="Sly"]Hallo an Alle! Wohlgemerkt, meine Frage, die ich gleich stelle, mag in Augen der meisten vielleicht hier komisch vorkommen. Vor einigen Monaten haben wir in Linearer Algebra ganz am Ende des zweiten Semesters, nachdem wir alle unsere wichtigsten Sätze beisammen hatten, einige Anwendungen betrachtet, darunter als wichtigste den mathematischen Zugang zur speziellen Relativitätstheorie. Der Zugang läuft hauptsächlich über der Betrachtung des Minkowskiraums im vereinfachten Fall (also eine Raumdimension) zusammen mit dem Minkowskiprodukt, das wir uns definiert haben als [latex] \varphi\bigl( (\vec{x_1},t_1),(\vec{x_2},t_2) \bigr) = \vec{x_1} \cdot \vec{x_2} - c^2t_1t_2 [/latex], wobei die Argumente zwei Punkte im Minkowskiraum sind und die x-Vektoren natürlich die Ortskomponente darstellt. (Dieser wird im Vereinfachten Fall dann zum Skalar). Nun kommt man letztendlich durch die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit dazu, dass durch eine Transformation, die zwei Bezugssysteme wechselt, der Lichtkegel invariant bleiben muss unter der Transformation. Das komplette Beispiel sieht dann so aus, dass sich zwei Beobachter P und Q mit einer Geschwindigkeit [latex] v [/latex] relativ zueinander bewegen. Bei der Betrachtung dieses Beispiels ist man natürlich darauf aus, die darstellende Matrix der Lorentztransformation (die aus Perspektive von P auf Perspektive Q abbildet) im 2-dimensionalen Fall zu finden. Insgesamt haben wir folgende Kriterien aufgestellt, um sie herzuleiten: - Die Vektoren [latex] \begin{pmatrix} c \\ 1 \end{pmatrix}, \begin{pmatrix} -c \\ 1 \end{pmatrix} [/latex], die den Lichtkegel aufspannen, sind Eigenvektoren. (wegen der Invarianz) - Die Matrix transformiert [latex] \begin{pmatrix} 0 \\ 1 \end{pmatrix} [/latex] auf ein Vielfaches von [latex] \begin{pmatrix} 1 \\ v \end{pmatrix} [/latex] - Das Minkowskiprodukt ist unter der Transformation invariant. Nun, lange Rede kurzer Sinn, mein Problem ist Folgendes: Ich verstehe das dritte Kriterium nicht. Ich hab lange darüber nachgedacht, bin aber nicht drauf gekommen. Auch steht in meinen Unterlagen nichts weiter dazu (und ich schreibe alles mit). Ich habe auch eine Menge gegoogelt und habe gerausgefunden, dass das äquivalent dazu ist, dass die relativistische Länge eine Invariante unter der Lorentztransformation ist. Schlau daraus geworden bin ich aber auch nicht. Da ich demnächst über genau dieses Thema eine Facharbeit schreiben möchte und ich nur DIESES eine nicht verstehe, würde ich euch bitten, mir das zu erklären. Es ist ein wirklich wichtiger Aspekt. Wenn ich es nicht begründen kann, wäre so eine Herleitung der Lorentztransformation ja lückenhaft. Ich bedanke mich vielmals im Voraus an die, die allein schon Geduld dafür hatten, diesen ellenlangen Text durchzulesen! Schöne Grüße Sly[/quote]
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Sly
Verfasst am: 08. Jan 2007 22:19
Titel:
Zitat:
Der letzte Punkt ist eine Konsequenz aus dem Postulat (!), dass die Lichtgeschwindigkeit in jedem Inertialsystem (IS) gleich ist. Wenn man jetzt zum Zeitpunkt t=0 die Ursprünge aufeinander fallen lässt und von dort aus einen Lichtstrahl losschickt, muss in beiden Systemen dieselbe Lichtgeschwindigkeit gemessen werden.
HA! Ja! Vieeeelen Dank! Das war der entscheidende Tipp!
Ich habe mich jetzt ne halbe Stunde hingesetzt und dank deiner Ausführung gefolgert, dass wenn L die Darst. Matrix der Lorentztransformation ist, folgt, dass
Durch langes Rumrechnen ergibt sich schließlich die letzte Variable der Matrix! Vielen Dank nochmal! Ich habe mindestens 2 Monate gegrübelt warum das so ist, aber jetzt weiß ich es. Meine Facharbeit ist gerettet
. DANKE
Auch an alle anderen, die geantwortet haben, vielen Dank, auch wenn ich nicht mit jeder Antwort etwas anfangen konnte...
Bruce
Verfasst am: 08. Jan 2007 21:46
Titel:
Die Invarianz des Skalarproduktes kann für zwei beliebige Vierevektoren
u und v auch so begründet werden:
Hier steht auf der linken Seite die Differenz der Betragsquadrate
zweier Viervektoren. Da die Betragsquadrate unter Lorentztrans-
formation invariant sind, folgt das gleiche für das Skalarprodukt.
Gruß von Bruce
as_string
Verfasst am: 08. Jan 2007 20:27
Titel:
Hallo Naemi!
Kann es sein, dass da ein Minus stehen muss?
Ich weiß nicht, ob das vollständig ist, aber ich lese hier gerade (im Fließbach, ART, Seite 25f) in etwa:
4-Vektoren sind ja so definiert, dass sich sich unter Lorentz-Transformation wieder zu einem 4-Vektor transformieren, also bei kontravarianten Vektoren:
und für die kovarianten eben:
Wobei das Lambda ohne Strich die Lorentztrafo sein soll und die mit Strich die Inverse dazu (also gerade mit negativer Relativgeschwindigkeit)
Wenn ich jetzt zwei solcher 4-Vektoren multipliziere, einmal einen kovarianten und einmal einen kontravarianten, dann habe ich das hier:
Und das ist es schon: das Minkowskiprodukt der transformierten Vektoren hat den selben skalaren Wert, wie das aus den untransformierten. Aber so ein richtiges "Aha"-Erlebnis ist es irgendwie nicht, finde ich. Ich weiß nicht, ob Du schon davon ausgehen kannst, dass sich die Vektoren so unter LT transformieren, aber normalerweise sind sie sogar so definiert. Das gilt dann übrigens auch für Tensoren und so...
Vielleicht hilft's ja trotzdem weiter!
Gruß
Marco
Naemi
Verfasst am: 08. Jan 2007 19:54
Titel:
Erstmal: schön gefragt!
Der letzte Punkt ist eine Konsequenz aus dem Postulat (!), dass die Lichtgeschwindigkeit in jedem Inertialsystem (IS) gleich ist. Wenn man jetzt zum Zeitpunkt t=0 die Ursprünge aufeinander fallen lässt und von dort aus einen Lichtstrahl losschickt, muss in beiden Systemen dieselbe Lichtgeschwindigkeit gemessen werden.
Im ersten System gilt
oder halt
edit: Danke Marco, da muss natürlich ein Minus hin!
wobei das Minkowski-Skalarprodukt von lichtartigen Vektoren (also Teilchen, die sich mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegen) stets null ist. Dies muss in beiden Systemen der Fall sein.
So, und jetzt brauche ich eine Denkpause, um mich wieder zu erinnern, warum dies denn auch für zeit- und raumartige Vektoren gilt...
edit: Oha! Bin noch über dies gestoßen:
http://www.physikerboard.de/lhtopic,6066,0,0,asc,.html
Sly
Verfasst am: 08. Jan 2007 18:09
Titel: Frage zur spez. Relativitätstheorie & Lorentztransformat
Hallo an Alle!
Wohlgemerkt, meine Frage, die ich gleich stelle, mag in Augen der meisten vielleicht hier komisch vorkommen.
Vor einigen Monaten haben wir in Linearer Algebra ganz am Ende des zweiten Semesters, nachdem wir alle unsere wichtigsten Sätze beisammen hatten, einige Anwendungen betrachtet, darunter als wichtigste den mathematischen Zugang zur speziellen Relativitätstheorie.
Der Zugang läuft hauptsächlich über der Betrachtung des Minkowskiraums im vereinfachten Fall (also eine Raumdimension) zusammen mit dem Minkowskiprodukt, das wir uns definiert haben als
, wobei die Argumente zwei Punkte im Minkowskiraum sind und die x-Vektoren natürlich die Ortskomponente darstellt. (Dieser wird im Vereinfachten Fall dann zum Skalar).
Nun kommt man letztendlich durch die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit dazu, dass durch eine Transformation, die zwei Bezugssysteme wechselt, der Lichtkegel invariant bleiben muss unter der Transformation.
Das komplette Beispiel sieht dann so aus, dass sich zwei Beobachter P und Q mit einer Geschwindigkeit
relativ zueinander bewegen. Bei der Betrachtung dieses Beispiels ist man natürlich darauf aus, die darstellende Matrix der Lorentztransformation (die aus Perspektive von P auf Perspektive Q abbildet) im 2-dimensionalen Fall zu finden.
Insgesamt haben wir folgende Kriterien aufgestellt, um sie herzuleiten:
- Die Vektoren
, die den Lichtkegel aufspannen, sind Eigenvektoren. (wegen der Invarianz)
- Die Matrix transformiert
auf ein Vielfaches von
- Das Minkowskiprodukt ist unter der Transformation invariant.
Nun, lange Rede kurzer Sinn, mein Problem ist Folgendes:
Ich verstehe das dritte Kriterium nicht. Ich hab lange darüber nachgedacht, bin aber nicht drauf gekommen. Auch steht in meinen Unterlagen nichts weiter dazu (und ich schreibe alles mit). Ich habe auch eine Menge gegoogelt und habe gerausgefunden, dass das äquivalent dazu ist, dass die relativistische Länge eine Invariante unter der Lorentztransformation ist. Schlau daraus geworden bin ich aber auch nicht.
Da ich demnächst über genau dieses Thema eine Facharbeit schreiben möchte und ich nur DIESES eine nicht verstehe, würde ich euch bitten, mir das zu erklären. Es ist ein wirklich wichtiger Aspekt. Wenn ich es nicht begründen kann, wäre so eine Herleitung der Lorentztransformation ja lückenhaft.
Ich bedanke mich vielmals im Voraus an die, die allein schon Geduld dafür hatten, diesen ellenlangen Text durchzulesen!
Schöne Grüße
Sly