| schnudl |
Verfasst am: 31. Dez 2005 11:02 Titel: |
|
Ich denke in diesem Kontext gerne an die Ballon-Metapher:
Ein Flächenwesen auf einer Kugel wird diese als "ohne Ende" wahrnehmen und kommt doch scheinbar, wenn es immer in der gleichen Richtung unterwegs ist, wieder zum Anfang zurück.
Die Geometrie auf diesem Ballon ist aus dieser Sicht hochgradig "nichteuklidisch". Verbindet man nämlich 3 Punkte durch ihre "Geodäten", d.h kürzesten Linien, so wird die Winkelsumme in diesem "Dreieck" stets grösser als sein. Z.B.
P1 = Nordpol
P2 = Manaus
P3 = Singapur
Die Winkelsumme ist hier fast !
Die Bewohner des Ballons werden daher einige Vorstellungsprobleme haben wenn sie ihre empirisch gewonnenen geometrischen Gesetze im "Kleinen" auf ihr "Universum" anwenden wollen. Ihr evolutionär bedingter Empfindungsapparat ist für derartige Gedankengänge nicht vorgesehen, da es für das Überleben in einer kleinen und hinreichend euklidischen Umgebung irrelevant ist, die grossen Zusammenhänge anschaulich zu "begreifen". Genauso sehe ich unsere Situation: Wir haben ja auch keine Vorstellung davon, was Vögel empfinden wenn sie durch das Magnetfeld der Erde navigieren, oder was der Sinneseindruck eines Elektrorochens auf Beutesuche ist. Die Allgemeine Relativitätstheorie beschreibt zwar kosmologische Zusammenhänge recht ordentlich und konsistent, dies aber zum Preis der totalen Nicht-Anschaulichkeit. Auch wenn du die ART für einige Semester ordentlich studierst, wirst du sie niemals “begreifen” können (wie alles andere in der Physik übrigens auch nicht…). Man muss nur genügend bescheiden sein um dies zu akzeptieren.
 |
|