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Klondyijk457 Gast
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Klondyijk457 Verfasst am: 11. Sep 2012 15:34 Titel: Ockhams Messerei |
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Meine Frage:
Gehört nicht nur zur Elektrik, aber jeder kennt hier die Geschicht mit Lorentz' Äther und Ockhams Messerchen.
Ich will auch mal was zu Ockhams Messer sagen/fragen.
Gehört das überhaupt in eine Naturwissenschaft??
Dann doch eher der Äther, als das Messer... (ich will mich nicht zwingend als Äthervertreter darstellen)
Meine Ideen:
Meiner Meinung nach hanelt es sich eher um eine methaphysische Vorgehensweise, also eher philosophisch.
Besonders, wenn man mal eine Experiment zur Überprüfung macht,z.B. "Hinsehen", und sich herausstellt, dass die Natur eher einer großen Vielfalt entgegen strebt. Das wiederspricht jeder angenommenen Sparsamkeit.
Also warum gibt es überhaupt etwas, und nicht vielmehr nichts? (Antwort, simpel aber effektiv: Weil es sonst niemanden gäbe der sich darüber Gedanken machte..) -Warum gibt es nicht nur eines? -Warum sogar "so viel wie möglich"?!
Das scheint doch jedem Ockham zu wiedersprechen, warum findet er dennoch Anwendung?!
Außerdem, sind die Theorien alle nicht komplett, richtig?! Sparsamkeit bei Fehlerhaftem kling nicht gerade nach Kreativität, bzw. dem richtigen Weg. |
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TomS Moderator

Anmeldungsdatum: 20.03.2009 Beiträge: 21469
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TomS Verfasst am: 11. Sep 2012 17:06 Titel: |
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Ich kenne "Ockhams Rasiermesser" in seiner urspüglichen Form nicht, aber in der Physik bedeutet es grob gesprochen doch, dass eine Theorie möglichst minimale Voraussetzungen haben bzw. möglichst keine unnötigen ontologischen Annahmen treffen sollte.
Insofern sagt das Prinzip angewandt auf die Äthertheorie, dass es physikalsich nicht sinnvoll ist, eine grundsätlzich unbeobachtbare physikalsiche Entität einzuführen, wenn es Erklärungen gibt, die ohne ein derartiges Gebilde auskommen.
Streng genommen handelt es sich dabei um eine Glaubensfrage, nämlich um den Glauben an die Einfachheit der Natur, wobei nicht in allen Fällen diese Glaubensfrage eindeutig und logisch geklärt werden kann. Insbs. könnte es ja z.B. auch sein, dass ich die RT für insgs. unglaublich kompliziert halte, während eine Äthertheorie zwar etwas ontologischen Ballast mit sich herumschleppt, andereseits aber strukturell deutlich einfacher ist (ist m.E. nicht so, könnte aber in einem anderen Fall durchaus der Fall sein).
Wer hat nun recht?
Es wird also insbs. dann schwierig, wenn ich mittels dieses Prinzips nicht zwischen zwei strukturell gleichartigen, jedoch ontologisch unterschiedlich bestückten Theorien entscheiden möchte, sondern insgs. auf der Suche nach größtmöglicher "Einfachheit" bin.
Wenn ich mich jedoch auf einen pragmatischen Standpunkt stelle und das Ockhamsche Rasiermesser nicht umfassend metaphysisch sehe, sondern für mich als Forscher konkret auf nmeine Situation anwende, dann ist es eben eher soetwas wie ein Leitfaden. Über die Richtigkeit einer Theorie entscheidet sowieso nicht dieses Prinzip, sondern nur das Experiment. Insofern kann ich eine gewisse Zeit mit mehreren möglichen "richtigen" Kandidaten für eine Theorie leben, wobei ich mir einen für mich passenden für meine Arbeit auswähle. _________________ Niels Bohr brainwashed a whole generation of theorists into thinking that the job (interpreting quantum theory) was done 50 years ago. |
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Klondyijk457 Gast
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Klondyijk457 Verfasst am: 12. Sep 2012 22:23 Titel: |
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Das sehe ich i.a. alles genaus so.
Aber eigentlich müssen doch erst theoretische Annahmen gemacht werden, also neue Theorien entstehen, die es dann im Experiment zu überprüfen gilt.
..und wenn diese Annahmen wegen Ockham nicht gemacht werden, also aus Gründen der Sparsamkeit, dann sollte die "Basis" komplett sein. -Was sie allerdings nicht ist.. - Sonst fehlt nachher das falsche Stück..
Aber mit dem Messer als Leitfaden kann ich damit leben. Ist nicht so hart. |
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MI
Anmeldungsdatum: 03.11.2004 Beiträge: 828 Wohnort: München
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MI Verfasst am: 13. Sep 2012 01:35 Titel: |
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Nein, das siehst du meiner Ansicht nach falsch.
Ockham's Razor sagt dir nicht, dass du keine Annahmen machen sollst. Wenn du in deine Theorie mehr Annahmen reinpackst und dann aber überproportional mehr erklären kannst - dann ist das gut. Nur wenn du zwei Theorien hast, die dieselben Vorhersagen machen aber unterschiedlich viele Annahmen benötigen, dann solltest du die nehmen, die weniger Annahmen braucht.
Kurz gesagt: Vielfalt (in den Annahmen) solltest du nicht zulassen, ohne, dass es notwendig ist.
Gruß
MI |
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TomS Moderator

Anmeldungsdatum: 20.03.2009 Beiträge: 21469
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TomS Verfasst am: 13. Sep 2012 05:45 Titel: |
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| MI hat Folgendes geschrieben: | | Nur wenn du zwei Theorien hast, die dieselben Vorhersagen machen aber unterschiedlich viele Annahmen benötigen, dann solltest du die nehmen, die weniger Annahmen braucht. |
Du legst das jetzt etwas anmders aus und sprichst nur von "Annahmen". Generell sehe ich bei den heutigen Theorien das Problem, das "weniger" zu quantifizieren. Braucht die Stringtheorie jetzt "zu viele" Annahmen im Vergleich zum Standardmodell + Gravitation; wie "zählst" du diese Annahmen? _________________ Niels Bohr brainwashed a whole generation of theorists into thinking that the job (interpreting quantum theory) was done 50 years ago. |
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MI
Anmeldungsdatum: 03.11.2004 Beiträge: 828 Wohnort: München
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MI Verfasst am: 20. Sep 2012 23:06 Titel: |
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| TomS hat Folgendes geschrieben: | | Generell sehe ich bei den heutigen Theorien das Problem, das "weniger" zu quantifizieren. Braucht die Stringtheorie jetzt "zu viele" Annahmen im Vergleich zum Standardmodell + Gravitation; wie "zählst" du diese Annahmen? |
Auf jeden Fall. Was "weniger" ist, ist schwer zu quantifizieren, es sei denn, zwei Theorien machen exakt dieselben Voraussagen. Für mich gibt Ockham's Razor nur dann eine Vorgabe.
Ansonsten (und eigentlich sogar dann) gibt es mir lediglich ein Leitfaden, wie du oben schon schriebst.
Was ich andeuten wollte ist im Grunde folgendes: Der Fragesteller hat Angst, dass Theorie nur deswegen nicht zum Zuge kämen, weil sie mehr Annahmen benötigen. Und ich wollte sagen, dass meinem Verständnis nach Ockham's Razor solche Sachen nicht verhindert - solange auch mehr erklärt wird, sind mehr Annahmen okay.
Wie du richtig sagst, ist das quantitativ schwammig - was aber wiederum daran liegt, dass es sich eben doch um einen Leitfaden handelt, nicht um ein "Gesetz"...
Es kommt noch ein weiteres Problem hinzu: Vielleicht kann ich eine Theorie mit sehr viel weniger Annahmen aufstellen, deren Annahmen aber komisch erscheinen? Im Grunde versuchen die meisten Physiker ja nicht Theorien mit möglichst wenig Annahmen, sondern mit nur "sinnvollen" Annahmen zu machen.
Aber: Was sind sinnvolle Annahmen?
Unser Standardmodell hat ja bekanntlich ein paar Grundannahmen in der Symmetrie und zusätzlich ein Paar freie Parameter, insbesondere Teilchenmassen. Für eine vollständige Theorie muss ich die Parameter auch "annehmen". Jetzt erscheint uns eine Annahme für eine Teilchenmasse als "willkürlich/unsinnvoll" und wir suchen nach einer zugrundeliegenden Theorie. Andererseitst ist die Annahme eines homogenen Universums "sinnvoll".
Gruß
MI |
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TomS Moderator

Anmeldungsdatum: 20.03.2009 Beiträge: 21469
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TomS Verfasst am: 20. Sep 2012 23:35 Titel: |
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ich denke, wir sind uns da sehr einig _________________ Niels Bohr brainwashed a whole generation of theorists into thinking that the job (interpreting quantum theory) was done 50 years ago. |
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kingcools
Anmeldungsdatum: 16.01.2011 Beiträge: 700
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kingcools Verfasst am: 21. Sep 2012 03:05 Titel: |
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| TomS hat Folgendes geschrieben: | Ich kenne "Ockhams Rasiermesser" in seiner urspüglichen Form nicht, aber in der Physik bedeutet es grob gesprochen doch, dass eine Theorie möglichst minimale Voraussetzungen haben bzw. möglichst keine unnötigen ontologischen Annahmen treffen sollte.
Insofern sagt das Prinzip angewandt auf die Äthertheorie, dass es physikalsich nicht sinnvoll ist, eine grundsätlzich unbeobachtbare physikalsiche Entität einzuführen, wenn es Erklärungen gibt, die ohne ein derartiges Gebilde auskommen.
Streng genommen handelt es sich dabei um eine Glaubensfrage, nämlich um den Glauben an die Einfachheit der Natur, wobei nicht in allen Fällen diese Glaubensfrage eindeutig und logisch geklärt werden kann. Insbs. könnte es ja z.B. auch sein, dass ich die RT für insgs. unglaublich kompliziert halte, während eine Äthertheorie zwar etwas ontologischen Ballast mit sich herumschleppt, andereseits aber strukturell deutlich einfacher ist (ist m.E. nicht so, könnte aber in einem anderen Fall durchaus der Fall sein).
Wer hat nun recht?
Es wird also insbs. dann schwierig, wenn ich mittels dieses Prinzips nicht zwischen zwei strukturell gleichartigen, jedoch ontologisch unterschiedlich bestückten Theorien entscheiden möchte, sondern insgs. auf der Suche nach größtmöglicher "Einfachheit" bin.
Wenn ich mich jedoch auf einen pragmatischen Standpunkt stelle und das Ockhamsche Rasiermesser nicht umfassend metaphysisch sehe, sondern für mich als Forscher konkret auf nmeine Situation anwende, dann ist es eben eher soetwas wie ein Leitfaden. Über die Richtigkeit einer Theorie entscheidet sowieso nicht dieses Prinzip, sondern nur das Experiment. Insofern kann ich eine gewisse Zeit mit mehreren möglichen "richtigen" Kandidaten für eine Theorie leben, wobei ich mir einen für mich passenden für meine Arbeit auswähle. |
Sehe ich exakt identisch. Schön formuliert. |
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